Trainer / Ansprechpartner

Tim Bunselmeyer

01 62 - 2 11 77 88


Da war was los im Waldstadion...

 

Übermacht in Unterzahl

 

Syker C-Junioren gewinnen furioses „Endspiel“ gegen Diepholz mit 6:2 und steigen in die Bezirksliga auf

 

 

Von Michael Walter

 

Syke – Weltmeisterschaft, Europapokal, Wunder von der Weser – alles schön und gut. Die wahren Fußballdramen spielen sich aber genauso weit unterhalb dieser Ebene ab, weitgehend unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit. Zum Beispiel in der C-Jugend-Kreisliga. Da hat am Wochenende eine Handvoll Jugendlicher zwischen 13 und 15 etwas geschafft, was schon seit vielen Jahren keiner Mannschaft des TuS Syke mehr gelungen ist: Den Aufstieg in die Bezirksliga. Und das in einem Spiel, das alles enthielt, was Fußball bieten kann.

 

Dabei schien der Drops längst schon gelutscht: Zwei Spieltage vor Saisonende stand der TSV Heiligenrode eigentlich schon uneinholbar als Meister und Aufsteiger fest. Doch durch einen Anfängerfehler machte dessen Trainer seinem Team selbst einen Strich durch die Rechnung: In zwei Partien hatte er Spieler eingesetzt, die sich bereits in einer anderen Mannschaft festgespielt hatten. Beide Spiele wurde am grünen Tisch nachträglich für die Gegner gewertet.

 

Die Situation am letzten Spieltag somit: Auf dem Aufstiegsplatz die JSG Diepholz mit 29 Punkten, dahinter auf Platz 2 der TuS Syke (27), Dritter der TSV Heiligenrode (ebenfalls 27). Und im Waldstadion trafen Syke und Diepholz direkt aufeinander. Da Syke beide Partien gegen Heiligenrode gewonnen hatte, hieß das: Wer dieses Spiel gewinnt, wird Meister und steigt auf, Diepholz würde dazu auch ein Unentschieden reichen.

 

Den Sykern mag in die Karten gespielt haben, dass sie mit Diepholz noch eine kleine Rechnung offen hatten: Das Hinspiel hatten sie klar verloren und mit 2:5 ihre höchste Saisonniederlage eingefahren. Entsprechend motiviert gingen sie zur Sache.

 

Als David Sagert mit einem direkten Freistoß von halblinks das frühe 1:0 erzielte (4.), schien vieles für den TuS zu sprechen. Doch dann drohte der Schiedsrichter zur spielentscheidenden Figur zu werden: Bei einem ganz normalen Zweikampf rutschte ein Diepholzer Spieler im Syker Strafraum aus und fiel der Länge nach hin. Und von der gegenüberliegenden Seite des Platzes pfiff der Schiedsrichter Elfmeter. Eine klare Fehlentscheidung. Entsprechend laut protestierten die Syker, und für den Spruch „Kauf dir mal ne Brille“ sah Lennox Duhme die rote Karte. Ein paar Minuten zuvor hatte der Diepholzer Trainer für weit drastischere Schiedsrichterkritik noch nicht einmal eine Verwarnung erhalten. Den Strafstoß verwandelte Ismail Baykara sicher zum 1:1 (29.).

 

Unberechtigter Elfer, Platzverweis für Syke und Ausgleich: Der Schiedsrichter hatte das Spiel gedreht. Doch Syke gab die passende Antwort: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte schloss Leon Behrami eine Traumkombination über den gesamten Platz unhaltbar ab und brachte den TuS mit 2:1 wieder in Führung (35.+2).

 

Trainer Tim Bunselmeyer traf in der Kabine dann den richtigen Ton: „Wir verlieren dieses Spiel, wenn wir uns jetzt hinten reinstellen“, hatte er seinem Team eingeimpft, weiter offensiv zu spielen, Unterzahl hin oder her. Das taten die Syker. Und wie! Zu keinem Zeitpunkt gelang es Diepholz, seine zahlenmäßige Überlegenheit auszuspielen. Im Gegenteil schien es eher, als hätten die Syker einen Spieler mehr auf dem Platz. Mit einem Schlenzer aus halblinks ins lange Eck traf dann Agit Yesildag in der 51. Minute zum 3:1. Aber erneut schlüpfte der insgesamt unsicher wirkende Schiedsrichter in eine tragende Rolle: Wieder ein ganz normaler Zweikampf am Rand des 16ers, wieder fällt ein Diepholzer zu Boden, wieder Elfmeter. Wieder tritt Ismail Baykara an den Punkt, und wieder trifft er. Nur noch 3:2 (57.) und noch knapp 20 Minuten in Unterzahl.

 

Doch Diepholz sollte aus dieser Situation kein Kapital schlagen. Praktisch im direkten Gegenzug erlief Agit Yesildag auf halbrechts einen Steilpass aus dem Mittelfeld, behielt die Ruhe und schoss den Ball aus zwölf Metern am Torwart vorbei ins Netz (58.). Explodierender Jubel und Spielertrauben in Syker Trikots sowie hängende Köpfe bei den Diepholzern waren ein deutliches Zeichen: Dieses 4:2 hatte die Partie entschieden. Schluss war aber noch lange nicht: Syke gelang jetzt alles, Diepholz wehrte sich nur noch der Form halber. David Sagert wiederholte seinen Kunstschuss aus der ersten Halbzeit und verwandelte zum zweiten Mal an diesem Tag einen direkten Freistoß (61.). Oskar Ambrosy sorgte mit einem sehenswerten Drehschuss aus zwölf Metern für den Endstand (69.).

 

6:2 hieß es nach 70 hochemotionalen und fesselnden Minuten. „Wir sind alle um zehn Jahre gealtert“, kommentierte ein Zuschauer hinterher augenzwinkernd. „Wer braucht da die Bundesliga?“

 

Nächsten Sonntag können die Syker jetzt sogar noch das Double schaffen: Dann stehen sie im Endspiel um den Kreispokal.